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Bewerbung um den Ökumenpreis 2019 der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen ACK

 

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland verleiht alle zwei Jahre einen Ökumenepreis. Sie zeichnet damit Projekte und Initiativen aus, die zur Einheit der Christen beitragen und ein gemeinsames Engagement von Christinnen und Christen verschiedener Konfession fördern.

Quelle: Internetseite der ACK

 

Nachfolgend finden Sie das Bewerbungsschreiben der evangelischen Kirchengemeinde für den Ökumenepreis 2019.

 

Bewerberin: Evangelische Kirchengemeinde Rottweil 

 

Vertreten durch die 1.Vorsitzende des Kirchengemeinderats:

Eva-Maria Krause, Zundelbergstraße 6, 78628 Rottweil


Name des ökumenischen Projekts/ der ökumenischen Initiative:  „Rottweiler Madonna von der Augenwende“

 

Herstellung einer originalgetreuen Kopie einer Madonnenstatue (um 1500) aus dem Rottweiler katholischen Heilig-Kreuz-Münster für den Hochaltar der evangelischen Predigerkirche in Rottweil

Diese Statue ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden, weil sie in der  Bewahrung der Stadt vor Plünderung und Brandschatzung im 30 jährigen Krieg eine besondere Rolle spielte.

 

Beteiligte Gruppen:

 

  • Evangelische Kirchengemeinde
  • Katholische Kirchengemeinde Heilig-Kreuz
  • Ökumenischer Ausschuss der Rottweiler Kirchengemeinden
  • Ökumenische Pastoralkonferenz
  • Madonnen-Ausschuss

 

Kurzbeschreibung

 

Auf Anregungen aus der Evangelischen Kirchengemeinde, aus der Katholischen Kirchengemeinde Heilig- Kreuz und aus Gruppen der Stadt besteht der Beschluss des Evangelischen Kirchengemeinderats und des Katholischen Kirchengemeinderats Heilig-Kreuz, auf Spendenbasis in Verantwortung der Evangelischen Kirchengemeinde eine Kopie der spätgotischen Statue der „Madonna von der Augenwende“  für den Hochaltar der evangelischen Predigerkirche herzustellen.

 

Diese Statue stand bis 1802 im Hochaltar der heutigen evangelischen Predigerkirche, damals Klosterkirche der Dominikaner. Nach der Säkularisation, der Auflösung des Klosters und der Übergabe der Kirche an das Königreich Württemberg kam sie in das katholische Heilig-Kreuz Münster. Die Dominikanerkirche wurde 1806 Evangelische Garnisonskirche und 1818 Evangelische Gemeindekirche für Rottweil.

 

Nach 214 Jahren wurde die Statue während der Renovierung und der dadurch notwendigen Schließung  des Heilig Kreuz Münsters von 05.03.2016 – 24.09.2017 vorübergehend wieder im Hochaltar der Predigerkirche aufgestellt.

Vorausgegangen war eine in der Rottweiler Geschichte erstmalige gemeinsame Sitzung der evangelischen und katholischen Kirchengemeinderats-Gremien und viele Besprechungen und theologischen Diskussionen des Ökumenischen Ausschusses, der Ökumenischen Pastoralkonferenz und weiterer Gremien.

Während die Madonnen-Statue vorübergehend im Hochaltar der evangelischen Predigerkirche stand feierte hier die Katholische Heilig-Kreuz Gemeinde die monatlichen Zunft-Prozessionen mit ökumenischen Marien-Andachten und die feierlichen Abschlussgottesdienste der  Fronleichnamsprozessionen. 

Außerdem fand in dieser Zeit unter dem Titel „Maria bringt uns in Bewegung“ in Kooperation von katholischer und evangelischer Erwachsenenbildung und der Volkshochschule in Kirchen und in öffentlichen Veranstaltungsräumen ein reiches Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Gesprächsabenden zu ökumenischen Themen statt.

Als Höhepunkt wurde mit Chor-Sängern aus allen Kirchengemeinden in der evangelischen Kirche die Marienvesper von Monteverdi aufgeführt.

 

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im Heilig Kreuz Münster wurde die Statue  vereinbarungsgemäß wieder im Heilig Kreuz Münster aufgestellt.

Aber während dieser Zeit war in beiden Kirchengemeinden und in der Stadt der Plan entstanden, als Zeichen der versöhnten Verschiedenheit und der ökumenischen Gemeinschaft  für den Hochaltar der Predigerkirche eine Kopie der Statue anfertigen zu lassen.

 

 

Worin besteht der besondere Beitrag des Projekts/der Initiative für die Ökumene an ihrem Ort?

 

Rottweil ist die älteste Stadt Baden-Württembergs und hier wurde 1268 vermutlich durch Albertus Magnus der Grundstein gelegt für die Klosterkirche der Dominikaner. Es ist anzunehmen, dass die spätgotische Skulptur der Madonna um 1520 für den Altar der Rottweiler Rosenkranzbruderschaft angeschafft wurde. (s.Marcus Keinath, Die Rottweiler Predigerkirche, 2014, Rottweil)

Mit der Vertreibung von etwa 400 Evangelischen aus der Stadt war die Reformation in Rottweil zum Scheitern gebracht worden, wobei wohl nicht nur theologische Auseinandersetzungen leitend waren, sondern die Sorge um den Verlust des kaiserlichen Hofgerichts und den damit zu befürchtenden  wirtschaftlichen Einbußen für die Stadt.

Im Jahr 1643 wird das „Wunder der Augenwende“ datiert. In einer Situation der Belagerung und zu erwartenden Eroberung der Stadt im dreißigjährigen Krieg soll die Madonnenstatue die Augen gewendet haben. Die verzweifelten Menschen sahen darin ein Zeichen der Gebetserhörung für die Bewahrung der Menschen und der Stadt, die zwar erobert wurde, aber die Occupanten zogen wieder ab ohne geplündert oder gebrandmarkt zu haben.

 

1743, nach der Jahrhundertfeier der „Augenwende“  begann der Umbau und die Barockisierung der Dominikanerkirche, in der die Marienstatue ihren Platz im Hochaltar fand und das Wunder der Augenwende wurde zum tragenden Element für die theologisch-ikonografische Konzeption. (s. Marcus Keinath, Die Rottweiler Predigerkirche 2014)

 

Das Rottweiler Stadtleben ist geprägt von vielen historischen und bis heute gelebten Traditionen, die in der christlichen Kultur verwurzelt sind. ( wie z.B. auch die alemannische Fasnets-Kultur). Gleichzeitig ist aber auch die Offenheit gegenüber moderner Entwicklung in Staat und Kirche zu spüren und zu erleben.

Das ökumenische Miteinander fand  Höhepunkte in der Unterzeichnung einer Rottweiler „Charta Oecumenica“ im Jahre 2006, dem 1. Rottweiler Ökumenischen Kirchentag“ 2014 und dem festlichen Ökumenischen Gottesdienst zum 10 jährigen Jubiläum der „Rottweiler Charta Oecumenica“ 2016.

Die selbstverständliche Gastfreundschaft der Evangelischen Kirchengemeinde für  die Katholiken der Stadt und für die„Madonna von der Augenwende“ während der Renovierung des katholischen Heilig-Kreuz-Münsters in der evangelischen Predigerkirche  waren ein herausragendes und weit über Rottweils Grenzen hinaus wahrgenommenes ökumenisches Ereignis.

 

Dazu schreibt der frühere Rottweiler Stadtarchivar Winfried Hecht in seinem 2018 neu aufgelegten Buch (s.Anlage)  über die Geschichte der Madonnen-Statue unter dem Titel: „Die Schutzfrau von Rottweil versöhnt Konfessionen“:

„….Für Rottweils Katholiken wurde es zuletzt jedoch in einer einstmals nicht vorstellbaren Entwicklung zum großen Ereignis, dass die evangelischen Christen der Stadt dem Gnadenbild von der Augenwende in ihrer Predigerkirche   für die Zeit der letzten Restaurierung des Rottweiler Münsters großzügig und ganz selbstverständlich bis 2017 Zuflucht gewährten…..Vielleicht galt das Lächeln der Madonna 1643 demnach weniger der Rettung der braven Rottweiler vor den grimmigen Franzosen und statt dessen vorausschauend dem wachsenden ökumenischen Verständnis unserer beiden großen christlichen Konfessionen“

(Winfried Hecht, Unsere liebe Frau von der Augenwende in Rottweil 2018  Seite 23)