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„Seid eins, damit die Welt glaubt"

 

 

Zehn Jahre „Charta Oecumenica" in Rottweil

 

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In einem festlichen Jubiläumsgottesdienst in der Predigerkirche erinnerten sich die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Rottweil daran, dass genau vor 10 Jahren in eben dieser Kirche die „Charta Oecumenica" unterschrieben wurde, eine beiderseitige Verpflichtung, intensiver zusammenzuarbeiten gemäß dem neutestamentlichen Auftrag „Seid eins, damit die Welt glaubt".

 

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Begleitet von festlichem Orgelspiel von Kantor Johannes Vöhringer zogen Dekan Martin Stöffelmaier und Pfarrerin Esther Kuhn-Luz zusammen mit Mitgliedern des Ökumenischen Ausschusses und den Fahnenabordnungen der Rottweiler Zünfte in die Kirche ein.

 

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Dabei war auch die Mädchenkantorei aus der Auferstehung-Christi-Gemeinde, die unter Leitung von Regionalkantor Wolfgang Weis mit ihren strahlenden Stimmen den Gottesdienst zu einem überwältigenden Ereignis werden ließen.

 

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In der Begrüßung erläuterte Eva-Maria Krause, die Vorsitzende des evangelischen Kirchengemeinderats, wie die Idee einer solchen Verpflichtung zunächst in der Begegnung europäischer Kirchenleitungen entstanden ist und dann im Jahr 2003 beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin auf Bundesebene feierlich verabschiedet wurde. In intensiven Gesprächen und vielen Begegnungen sei das Dokument dann auf die Rottweiler Verhältnisse zugeschnitten worden und im Oktober 2006 offiziell in Kraft gesetzt worden.

 

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In der Predigt stellte Dekan Stöffelmaier die Grundlage der Gemeinsamkeit dar, nämlich die eine Taufe und die eine Berufung aller Christen, die konfessionsübergreifend allen Christenmenschen anvertraut sei, weil sie sich auf den einen Christus berufen. Er schilderte, wie an vielen Stellen in Rottweil diese Gemeinsamkeit gut funktioniert, zum Beispiel in der Kirchenmusik oder bei den Kindergärten oder bei den diakonischen Bemühungen um das Wohlergehen notleidender Mitmenschen. Als Zeichen für das unkomplizierte Miteinander stellte er dar, dass im Gebäude der katholischen Kaplanei ein evangelisches Pfarramt und eine katholische Pfarrwohnung gleichzeitig untergebracht sei, und bemerkenswert sei auch, dass in der Predigerkirche derzeit auch eine evangelische Gemeinde auf eine katholische Madonnenfigur aufpasse. Er legte aber auch die noch vorhandenen Hindernisse dar, die etwa den katholischen Gemeinden nicht gestatten, die volle Gastfreundschaft am „Tisch des Herrn" auszuüben, was bei der evangelischen Seite heutzutage kein Problem mehr sei.

 

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Pfarrerin Kuhn-Luz betonte, dass die Hoffnung, die durch die Taufe entsteht, nicht teilbar sei, weil alle Getauften Kinder Gottes seien, beispielhaft sowohl die Jugendlichen der Mädchenkantorei als auch die „älteren Herren" der Zünfte. Und bei dieser gemeinsamen Grundlage könnten auch die Unterschiede in ihrer Vielfalt die Begegnungen bereichern. Und außerdem sei es ein Trost, dass die Glaubenden die Kraft zur Erreichung des Gemeinsamen nicht selbst aufbringen müssten, sondern wie die Reben an einem Weinstock von den Wurzeln versorgt würden. Als ein schönes Symbol für die Ökumene beschrieb sie die sogenannten „Weihekreuze" in der Predigerkirche, bei denen zwei verschiedene Zweige das eine Kreuz um schließen.


In den Fürbitten wurden weitere Symbole für die Gemeinsamkeit aus dem Dokument der „Charta Oecumenica" aufgenommen: die Bibel als Grundlage des Glauben, Brot und Wein als Zeichen für die Gastfreundschaft, eine Kerze für den Auftrag, „Licht der Welt" zu sein und ein Ölzweig als Erinnerung an die Aufgabe zum Frieden-Stiften. Diese Symbole konnten die Gottesdienstbesucher auch auf einer eigens für diesen Anlass gestalteten Postkarte mit nach Hause nehmen.
Nach dem Auszug der Mitwirkenden konnte das gastfreundschaftliche Miteinander noch direkt umgesetzt werden, in dem man sich an einladend hergerichteten Tischen versammeln konnte zu Gesprächen bei Brot und Trauben.

 

Text:  Eberhard Hageloch

Fotos: Berthold Hildebrand

 

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