Startseite  |  Sitemap  |  Impressum

Kunst und Liturgie

 

Karfreitagsliturgie und Gegenwartskunst


Zum 20. Mal erhält die Liturgie an Karfreitag in Heilig-Kreuz wieder einen besonderen künstlerischen Akzent. Das reichhaltige Bild- und Skulpturenprogramm aus der Geschichte des Münsters mit dem Veit Stoß zugeschriebenen Altarkreuz wird mit einem Werk zum Thema Kreuz aus der Gegenwartskunst ergänzt. Der Rottweiler Künstler Jürgen Knubben ist von der Kirchengemeinde beauftragt, Personen auszuwählen, die das Kreuz zeitgenössisch darstellen und deuten. Die oft aufwändige Installation wird eigens für die Liturgie aufgebaut und ist somit einmalig. Die musikalische Umrahmung der liturgischen Feier erzeugt zusammen mit dem jeweiligen Kunstobjekt auf dem Hintergrund der Leidensgeschichte eine dichte Atmosphäre.

 

 

Karfreitag 2012 

 

Eine Kreuz-Installation von Hans-Jürgen Kossack


Am Karfreitag öffnet sich das Heilig Kreuz Münster zum 20. Mal der Gegenwartskunst. Für einen einzigen Tag ist eine Kreuz-Installation von Hans-Jürgen Kossack im Chorraum der Kirche zu sehen.

 

Der Künstler und gelernte Steinmetz aus Mühlheim, der in Karlsruhe an der Akademie für Bildende Künste studierte, ist ihn Rottweil kein Unbekannter. Er war als ehemaliger Mitarbeiter von Willi Bucher viele Jahre an der baulichen Sanierung des Heilig-Kreuz-Münsters beteiligt.

 

Sein Karfreitags-Kunstbeitrag ist aus einem 500 x 170 cm großen Holzbrett gearbeitet. Mit Hilfe einer Kettensäge hat er die Fläche durchlöchert, zu einem Kreuz gestaltet und danach schwarz eingefärbt. Das Licht der Farbfenster, das den Chorraum und das Münster im Ganzen erhellt, dringt gefiltert durch die Öffnungen des Kreuzes. Auf diese Weise wird das Schwere und Dunkle des Karfreitagsgeschehens bereits aus der Perspektive des Osterfestes gedeutet.

 

Die Kunst Kossacks wird selbstverständlicher Teil der liturgischen Feier, die um 15 Uhr beginnt. Der Münsterchor unter Leitung von Wolfgang Weis singt dazu „Stabat Mater" von Joseph Rheinberger.

 

Die diesjährige Karfreitags-Installation als Beitrag der Begegnung von Kunst und Kirche im sakralen Raum ist den ganzen Karfreitag über im Heilig-Kreuz-Münster zu betrachten.

 

Karfreitag 2012

 

 

 

Karfreitag 2011

 

 

 

„Der Staub der Türme" von Aloys Rump

 

Am Karfreitag öffnet sich das Heilig Kreuz Münster zum 19. Mal der Gegenwartskunst. Für einen einzigen Tag ist das Werk „Der Staub der Türme" von Aloys Rump im Chorraum der Kirche installiert. Der Künster aus Boppard hat an der Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Brüning und Richter und an der Hochschule der Künste Berlin bei Professor Thieler studiert. Die Phänomene Raum, Zeit und Stille thematisiert er seit vielen Jahren in seinen Arbeiten und ergründet ihre sinnliche Erfahrbarkeit und Wahrnehmung.

 

Rumps Arbeiten sind stets Reflexionen globaler gesellschaftlicher und politischer Prozesse. „Der Staub der Türme" gehört zu einer Werkreihe von Gemälden, die in den Jahren 2007 bis 2010 entstanden sind. Die neun, drei Meter langen Gerüstbretter sind von einer oliv-grauen, gipsartigen Masse aus Schiefermehl und Leim überzogen, aus der mit Spachtel und Pinsel Strukturen wie Wülste und Narben herausgearbeitet, mit Marmorstaub bestäubt und schließlich fixiert worden sind. Nicht nur der Titel der Arbeit erinnert an die Katastrophe von New York. Auch inhaltlich setzt sich der Künstler mit dem unheilvollen Ereignis des 11. September 2001 auseinander. Denn noch Tage nach dem menschenverachtenden Terroranschlag war alles in der Umgebung der Türme von einer dicken Staubschicht bedeckt, verbunden mit einer tödlichen Ruhe. Diesen Eindruck vermitteln auch die Reliefs, wenn man als Betrachter den Blick von oben assoziiert. Auch werden wir in den Bildern an die bisweilen Angst machende fotografische Erfassung der Erde und ihrer Bevölkerung aus großer Höhe erinnert. Sie stellen aber keine Abbilder der Wirklichkeit dar, denn sie haben den Prozess der emotionalen und intellektuellen Verarbeitung durch den Künstler durchlaufen.

 

Die Kunst Rumps gelangt am Karfreitag nicht in einen musealen Raum, sie wird selbstverständlicher Teil der liturgischen Feier, die um 15 Uhr beginnt. Der Münsterchor unter Leitung von Wolfgang Weis bringt die „Via crucis" von Franz Liszt zur Aufführung.

 

Die diesjährige Karfreitags-Installation als Beitrag der Begegnung von Kunst und Kirche im sakralen Raum ist den ganzen Karfreitag über im Heilig-Kreuz-Münster zu betrachten.

Jürgen Knubben

 

 

 

Karfreitag 2010

 

Karfreitag 2010 im Heilig-Kreuz Münster

Triptychon von Gerhard Langenfeld

 

Rottweil. Gerhard Langenfelds Installation am Karfreitag im Heilig-Kreuz Münster in Rottweil setzt eine gute Tradition fort. Denn es ist das 18. Mal, dass sich die Kirche für einen Tag der Gegenwartskunst öffnet. Der Maler aus Bad Saulgau hat an der Staatlichen Akademie für Bildende Kunst in Stuttgart studiert und ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Nicht-Farbe Schwarz. Dabei thematisiert er auf faszinierende Weise deren Vielfältigkeit und Farbigkeit. Seine strengen Kompositionen sind subtil aufgebaut und bilden ein Gegengewicht zur schnelllebigen Welt von heute. Gegen das Bunte, Grelle und Laute unserer Zeit setzt er Stille, Reflexion und Reduktion. Auf diese Weise ist den Bildern Langenfelds geradezu etwas Transzendentes zu eigen, etwas, das über den ersten Blick spröde und sperrig erscheinen mag. Wer sich aber darauf einlässt, wird nicht nur deren ästhetische Qualitäten schätzen lernen, es offenbaren sich ihm auch neue Perspektiven, die den Blick auf unser Welt und uns selbst schärfen.

 

Für den Karfreitag 2010 im Heilig-Kreuz Münster in Rottweil ist ein so genanntes Triptychon entstanden. In diesem dreiteiligen Bild wird die theologische Bedeutung des Karfreitags künstlerisch verarbeitet. Dass die Bilder des Schwarzmalers, wie viele Kunstfreunde ihn gerne nennen, auch den Blick frei geben auf das, was wir schließlich an Ostern feiern, ist besonders eindrucksvoll.

 

 

Langenfelds Kunst kommt nicht in einen musealen Raum, sie ist lebendiger Teil der liturgischen Feier, die um 15 Uhr beginnt. Dabei werden Bild, Musik und Sprache zusammengeführt. Es erklingt die Johannes-Passion von Heinrich Schütz. Zusätzlich wird die Kreuz-

verehrung durch eine Erstaufführung geprägt sein: Angepasst an die örtlichen Verhältnisse, hat der Kantor Wolfgang Weis eine liturgische Komposition zur Kreuzverehrung für gemischten Chor, Mädchen-

kantorei, Männerschola und Harmonium verfasst. Die mittelalterliche Textvorlage der so genannten Improperien („Vorwurf / Anklage") mit dem Titel „Popule meus" stellt eine fiktive Anklage des gekreuzigten Heilands an sein Volk dar. Sie wird teils lateinisch, teils griechisch, teils deutsch zu hören sein.

 

Karfreitag 2009

 

„Der Tod hat nicht das letzte Wort"

Karfreitag im Heilig-Kreuz Münster in Rottweil Robert Haks Installation

 

Robert Haks Installation am Karfreitag im Heilig-Kreuz Münster in Rottweil setzt eine gute Tradition fort. Denn zum nunmehr 17. Mal öffnet sich die Kirche für einen Tag der Gegenwartskunst. Die Arbeit, die in den letzten Wochen extra für den diesjährigen Karfreitag entstanden ist, trägt den Titel „Der Tod hat nicht das letzte Wort".


Robert Hak ist ein junger Künstler aus Rottweil, der sich seit vielen Jahren intensiv mit den neuen Medien auseinandersetzt. In seiner künstlerischen Arbeit zeigte er wiederholt in Innen- und Außenräumen Video-Installationen, die sich mit menschlichen Grundbefindlichkeiten befassen. Dabei spielen Bewegungen einerseits und Physiognomien von Personen andererseits eine wesentliche Rolle.

 

Kunst und Liturgie

 

In seiner neuesten Arbeit hat er ein Kreuz aus 12 kreisrunden Wetter-ballonen zusammengestellt, auf denen auf der horizontalen Linie die fünf menschlichen Sinne und auf der vertikalen Linie Planeten als Videosequenzen projiziert werden. Die menschlichen Sinne des Hörens, Sehens, Riechens, Schmeckens und Tastens werden als Ohr, Auge, Nase, Zunge und Haut sichtbar gemacht und weisen auf das Profane hin. Mit den Planetendarstellungen andererseits verweist Hak auf das Transzendente.


Haks Kunst kommt nicht in einen musealen Raum, sie ist lebendiger Teil der liturgischen Feier, die um 15 Uhr beginnt. Dabei werden Bild, Musik und Sprache zusammengeführt. Wolfgang Weis wird auf der Orgel im Zusammenspiel mit einem Saxophonisten frei improvisieren.


Die Kreuz-Installation als Beitrag der Begegnung von Kunst und Kirche im sakralen Raum ist den ganzen Karfreitag über im Heilig-Kreuz Münster zu sehen.

 

Karfreitag 2008

Ein Sarg aus Blütensamen

Kunst am Karfreitag: Angela M. Flaig im Münster

Rottweil. Bereits zum 16. Mal öffnet sich das Heilig-Kreuz Münster in Rottweil am Karfreitag für einen Tag der Gegenwartskunst. Angela M. Flaig stellt ihre Installation mit dem Titel „in saecula saeculorum" vor - einen Sarg aus Blütensamen. Dieser Sarg öffnet den Blick hin auf das Ostergeschehen, auf die Hoffnung aller Christen, auferweckt zu werden. Die starke Reduktion der bildhauerischen Mittel entspricht dem liturgischen Anliegen des Karfreitags und der kommenden Ostertage.

 

„Alles hat seine Zeit": Für Angela M. Flaig gilt diese Aussage aus dem alttestamentlichen Buch Kohelet auf besondere Weise. Ihre Arbeitsweise orientiert sich an den Zeiten der Natur. Sie sammelt ihr Material von April bis Oktober, beginnt mit dem Samen von Huflattich und beendet die Saison mit den Samen von Distel und Waldrebe. Dazwischen erntet sie reichlich Löwenzahn, Weideröschen, Goldrute, Alant, Wiesenbocksbart und neuerdings auch Tannensamen. Sie unternimmt keine weiten Reisen, um exotische Samen zu finden, sondern bleibt meist in unmittelbarer Umgebung ihres Hauses und Ateliers. Es ist ihre kleine Welt, die ihr die große Welt der Natur erschließt.

 

Kunst und Liturgie

 

In ihrem Umgang mit Materialien der Natur ergründet Angela M. Flaig die Strukturen von Konzentration und Diffusion, von Dichte und Auflösung und die Gemeinsamkeiten von Zartheit und Stärke. Doch ihre ästhetische Wirkung, die in der Strenge und Schlichtheit besteht, gewinnen die skulpturalen Gebilde nicht allein durch ihre Materialität. Die einzigartigen Schattenbildungen tun das Ihre dazu: Die Immaterialität verweist auf transzendente Dimensionen. Verletzlich und hinfällig, in höchstem Maße flüchtig erscheinen die strengen Anordnungen. Fragil und sinnlich geben sie dem Betrachter eine Lehrstunde des Schauens. Der große Kosmos ist eingefangen in menschlich nachvollziehbarem Maß.

 

Entscheidend ist das Geheimnis der vielen winzigen Einzelteile der Skulptur: Die Samen überdauern im Naturgesetz des Weitergebens, des Vererbens an die nächste Generation. Was vermeintlich tot ist, befindet sich nur in einem Zustand der Verwandlung. Und diese Einsicht macht ungemein Hoffnung.

 

Die Arbeit „in saecula saeculorum" ist lebendiger Teil der Karfreitags-feier, die um 15 Uhr beginnt. Dabei werden Bild, Musik und Sprache zusammengeführt. Die Installation der Rottweiler Künstlerin ist den ganzen Karfreitag über im Münster zu sehen.