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Geschichte vom wunderbaren Blickwechsel berührt Maria von der Augenwende - Was haben wir im Sinn?

 

von Martin Stöffelmaier

 

Ich schaue im Rottweiler Münster auf die spätgotische Madonna.

 

Wach blickt sie nach innen und unten, hat den munteren Sohn als lehrendes Kind auf dem Arm.


Die Madonna habe nach der Überlieferung die Stadt Rottweil im Dreißigjährigen Krieg gerettet.

 

Zweimal habe sie flehend die Augen hingedreht zu ihrem Sohn.

 

Einmal todernst vor der Kapitulation und Rettung der Stadt und einmal fröhlich ermunternd vor ihrer Befreiung, immer den Gottessohn im Blick.

 

Jedenfalls ist die Stadt unversehrt bis heute zu besichtigen. Und immer noch wird „Unsere liebe Frau von der Augenwende" verehrt.


Diese Geschichte von dem wunderbaren Blickwechsel hält mich fest im bergenden Raum des gotischen Münsters.


Kommt es nicht in der Tat auf die Blickrichtung an?

 

Wie schaue ich in die Welt? Richtung Kapitulation und bloßes Funktionieren oder Richtung Befreiung und Aufbruch?


Womöglich ist jener radikale Perspektivwechsel nötig, den man Glauben nennt oder Bekehrung - Aber welche „Brille" habe ich auf?

 

„Die Augenverkehrung war damals so stark und deutlich, dass selbige von Anwesenden, Jung und Alt, Geistlichen und Weltlichen beiderlei Geschlechts, auch sogar von den unkatholischen hier liegenden Soldaten klar beobachtet wurde."

 

So heißt es im alten Bericht der Dominikaner.

 

Es ist eine Blickveränderung angesichts größter Not und im gemeinsamen Bittgebet von dreihundert Leuten die ganze Nacht hindurch!


So ereignet sich ein gesegneter Blickwechsel samt realer Änderung - im Inneren der betenden Menschen und im Äußeren des Stadtlebens.

 

Die Frage ist, was wir wie im Auge haben.

 

Geht's bergab mit der Kirche oder bergauf, heraus aus der bürgerlichen Gefangenschaft?

 

Liegt der Mehltau der Antriebslosigkeit oder gar Resignation über allem oder jene unbändige Zuversicht, die im Bittgebet zum Ausdruck kommt und mit Ostern zu tun hat?

 

Wird Wandel für möglich gehalten? Oder ist alles aus?


Wer nicht an Wunder glaubt, braucht auch nicht zu beten. Wer aber nicht betet, weiß kaum etwas von Augen- und Lebenswenden.


Artikel ist weitgehend zitiert nach Gotthart Fuchs, in : Christ in der Gegenwart 42(2012)

 

 

spätgotsiche Madonna mit Jesuskind

Rottweiler Münster

Foto B. Hildebrandt

Orientierung Maria