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Die Tücken der Orgel im Heilig-Kreuz Münster

 

Orgel ganz

Die Klais-Orgel im Heilig-Kreuz Münster

 

Marode Orgel tut was sie will, oder eben auch nicht

Von Berthold Hildebrand

 

Wenn die Münstergemeinde 2022 die 900 Jahr-Feier einer ersten Kirchweihe begeht, wird die große Klais-Orgel gerade mal 55 Jahre alt. Das ist nicht viel, denkt man da unwillkürlich. Aber für eine Orgel ist es schon viel, für die eingebaute Technik und Elektronik gar eine Ewigkeit.

 

Orgeltisch HKM

Eine Orgel wird mit Händen....

 

Der Orgelprospekt ist das Gesicht der Orgel, das, was man von außen sieht. Dahinter verbergen sich 270 Pfeifen aus Holz, 146 aus Kupfer und 3434 aus Zinn. Zusammen also 3850 Pfeifen in 52 Registern. Jedes Register klingt anders und hat Pfeifen der gleichen Klangfarbe über den gesamten Tonumfang. Es stehen also auf vier Manualen mit jeweils 54 Tasten im Hintergrund für jeden Ton 52 verschieden klingende Pfeifen zur Auswahl. Dazu kommen noch 30 Pedaltasten für die Füße.

 

Registratur Orgel HKM

und Füßen gespielt.

 

Die Verbindung zwischen den Tasten und den Pfeifenventilen stellt die Spieltraktur her. Sie ist auf der Münsterorgel mechanisch. Welche verschiedenen Register zum Einsatz kommen regelt die Registertraktur. Diese ist wiederum elektrisch. Es sind also ständig Hebel in Bewegung und dazu noch elektrisch gesteuerte Magnete. Dies alles nutzt sich mit der Zeit ab, funktioniert nicht mehr richtig oder fällt ganz aus. 

 

Ihre Gefühle auf dem Weg zur Orgel schildert Münsterorganistin Lisa Hummel-Groß so: „Ich habe immer eine Frage im Hinterkopf, bevor ich den Zündschlüssel an der Orgel umdrehe: Springt der Motor heute an? Jener Drehmechanismus zum Starten des Orgelmotors macht seit jeher keinen sonderlich robusten Eindruck." Ohne Motor keine Luft, ohne Luft erklingt kein Ton. Der Weg des Windes vom elektrisch angetriebenen Blasebalg bis zu den Pfeifen ist lang und kompliziert.  Die Spieltraktur überträgt die Tastenbewegung. Der Druck, den die Organistin auf eine Taste ausübt, wird mechanisch über ein Stangensystem auf die Tonventile in den Windladen übertragen  Welche Register gerade im Einsatz sind wird elektrisch über Zugmagnete gesteuert. Die elektronische Speichervorrichtung für Registrierungen (Klangfarben) speichert aber leider nicht mehr. Mit ihr könnte man im Voraus einstellen, dass  zum Beispiel Spitzflöte, Blockflöte und Cornett erklingen. Mit einem Knopfdruck ließe es sich ändern zum Beispiel auf Trompete und Fagott, sofern es funktioniert.  Weiter erzählt die Organistin, die Trompete, einmal gezogen, könne nicht durch Drücken des Nullknopfes ausgeschaltet werden, das müsse manuell geschehen. Das Nachthorn im Pedal lasse sich gar nicht abschalten, zum Glück höre man aber auch nichts von ihm, das Register tönt einfach nicht. Der Subbass schalte sich von selbst ein und aus. Ein lautes, dauerhaftes Klacken der elektrischen Magnete sei hörbar - andere Anwesende auf der Empore drehten sich fragend zu ihr um, erzählt Lisa Hummel-Groß, sie könne aber nur mit den Schultern zucken. Da hätten sich in den letzten Jahren leider einige Stromkreise abgemeldet. Überhaupt, die Orgel käme nicht durch den TÜV, wenn sie ein Auto wäre. Der Spieltisch in seiner Bauweise mit der Technik  von 1967 dürfte so nicht mehr in Betrieb gehen.

 

Eine Orgel spielt man mit Händen und Füßen. Bei einem festlichen Präludium benötigt man alle 10 Finger und beide Beine. Wenn man aber dazu noch mit einer Hand ständig die Registerzüge ziehen und wieder hineinschieben muss und dies dann nicht funktioniert, kann das ganz schön stressig werden.

 

elektrisch Orgel mechanisch Orgel mechelektrisch orgel

Das komplizierte Innere der Orgel: elektrisch, mechanisch und gemischt (zum Vergrößern Fotos anklicken)

 

Fazit: Das Instrument tut seit 55 Jahren seinen Dienst und ist noch nie einer größeren Überholung unterzogen worden. Die Elektrik und viele mechanische Teile sind inzwischen sehr störanfällig oder ausgefallen. Die Klais-Orgel muss grundlegend überholt  werden. Die anstehenden Arbeiten müssen voll aus Spenden finanziert werden. Sobald 80% der veranschlagten Kosten beisammen sind, darf mit den Arbeiten begonnen werden. Deshalb hat der Förderverein Münsterbauhütte schon mal 50 000 Euro als Anschubfinanzierung gespendet. Weitere Spenden sind sehr willkommen.  

 

Spendenkonto bei der  Kreissparkasse Rottweil

Verwaltungszentrum Rottweil

IBAN DE 18 6425 0040 0000 100838

Stichwort: Orgel Heilig-Kreuz


Fotos: Berthold Hildebrand