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Die Facebook-Gruppe #ichbinhier

 

Zwei Wochen aktiv gegen Hatespeech

 

Mir gefällt der Ansatz, sich respektvoll und faktenbezogen in Online-Diskussionen einzumischen und damit Hassrednern nicht alleine das Feld zu überlassen. Die Facebook-Gruppe mit dem Namen #ichbinhier hat sich genau zu diesem Zweck gegründet. Ich bin neugierig, wie sie arbeitet und stelle einen Aufnahme-Antrag in die geschlossene Gruppe. Einen Tag später bin ich Mitglied. Die Gruppe präsentiert sich auf Anhieb als vorbildlich organisiert: Wichtige Infos liegen übersichtlich bereit und sind mit maximal zwei Klicks erreichbar. Vom Start weg werde ich mit nützlichen Tipps und Hilfestellungen versorgt, so dass ich nach knapp 15 Minuten einen guten Überblick habe, wie die Abläufe sind.

 

Jeden Tag finde ich im Nachrichtenbereich der Gruppe zwei bis vier Aktionen, denen ich mich anschließen kann. Die Aktionen sind jeweils anmoderiert. Meist werde ich auf die Facebook-Auftritte großer Nachrichtenportale gelotst, wie Bild, ZDF heute, Spiegel Online oder Tagesschau, wo sich im Kommentarbereich bestimmter Meldungen wieder einmal die Troller und Hater tummeln. Hier bin ich eingeladen, Kommentare zu liken. Oft sind die Beiträge meiner Mitstreiter am Hashtag #ichbinhier erkennbar. Dabei steht es mir frei auch selber mitkommentieren, je nach Tagesform und vorhandener Zeit.

 

Nach zwei Wochen ziehe ich ein Zwischenfazit: Tatsächlich gelingt es der Gruppe häufig, Facebook-Diskussionen, die entglitten sind oder zu entgleiten drohen, zu „retten“. Das heißt konkret, die Debatten kehren auf die Sachebene zurück und der Umgangston wird tatsächlich höflicher und respektvoller. Ich beobachte, dass die schiere Präsenz von Gegenrede auch andere ermutigt, sich konstruktiv in laufende Debatten einzumischen.

 

Insgesamt geben mir solche Initiativen wie #ichbinhier Hoffnung. Es zeigt sich, dass der Vers aus dem Neuen Testament nichts an Aktualität eingebüßt hat: „Lass dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm. 12, 21).

 

Hintergrund #ichbinhier:

 

Unter dem Hashtag #ichbinhier haben sich im deutschsprachigen Raum rund 45.000 Menschen (Stand Januar 2020) in einer Facebook-Gruppe zusammengefunden. Die Mitglieder gehören keiner bestimmten Partei an, jedoch verbindet sie die Überzeugung, dass Fakten, Mut und Freundlichkeit stärker sind als Gerüchte, Angst und Hass. Gemeinsam setzen sie sich ein für eine bessere Diskussionskultur und gegen Hetze in den sozialen Medien. Eine 20köpfige ehrenamtliche Moderatorengruppe betreut das Angebot redaktionell.

 

#ichbinhier wurde im Dezember 2016 von Hannes Ley gegründet. Sie ist die Schwesterorganisation der schwedischen Gruppe #jagärhär. Der Name steht für das Selbstverständnis der Gruppenmitglieder: „Wir stützen uns gegenseitig und zeigen den Hetzern: Ich bin auch hier. Ich überlasse dir nicht das Feld.“ Organisiert und getragen wird die Gruppe von dem Verein ichbinhier e.V. mit Sitz in Hamburg. 2019 wurde der Verein mit dem Deutschen Engagementpreis in der Kategorie Demokratie stärken ausgezeichnet.

Der Verfasser wurde im Rahmen seiner Recherchen zum Thema „Hatespeech“ auf #ichbinhier aufmerksam, stellte einen Antrag auf Aufnahme in die Facebook-Gruppe und beteiligte sich zwei Wochen lang aktiv an gemeinsamen Aktionen.

 

Christian Schmitt,
In: Pfarrbriefservice.de